Die Magneten, die Leser und Rezensenten anziehen

In diesem Artikelserie beschreibe ich den Prozess, den ich bei der Entstehung meines ersten Romans Tumult in Mekka durchlaufen habe – von der Idee bis zur effektiven Präsentation vor Leser:innen und Rezensent:innen.

Der Prozess, der die Gedanken in meinem Kopf in Sätze vor den Augen der Leserinnen und Leser oder in eine Vorlesung für ihre Ohren verwandeln sollte, wurde von Beginn an in fünf Hauptphasen unterteilt:

A. Formulierung von Idee und Konzept (Buch-Exposé)
B. Marketing
C. Entwicklung des Basismanuskripts
D. Redaktion und Korrektur
E. Veröffentlichung

Im vorliegenden und im vorhergehenden Artikel bespreche ich Punkt A: wie ich die Arbeit an der Konkretisierung meiner Idee angegangen bin und wie es mir gelungen ist, sie in einer Konzeptbeschreibung festzuhalten, die mich im weiteren Arbeitsprozess geleitet hat.

Buch-Exposé und Konzept

Das Buch-Exposé ist keine Erfindung von mir. Die Idee dazu bekam ich von einem Agenten in New York, der Interesse an einem meiner anderen Bücher zeigte. Er schickte mir die Punkte, die ich ausarbeiten sollte. Das war eine gute Übung, und ich beschloss, sie auch für meine kommenden Bücher zu nutzen, noch bevor ich mit dem Manuskript begann.

Meine Vorlage enthält nun die folgenden zwölf Elemente:

  1. Titel, Untertitel und Umschlag (Vorderseite, Buchrücken und Rückseite)
  2. Ziel
  3. Zusammenfassung
  4. Zielgruppe
  5. Vergleichbare Bücher
  6. Der Magnet
  7. Manuskriptprozess
  8. Veröffentlichungsprozess
  9. Marketing
  10. Format, Preise, ISBN und Kategorien
  11. Zeitplan und Wirtschaftlichkeit
  12. Über den Autor

In diesem Artikel gehe ich auf Punkt 5 und 6 ein.

Vergleichbare Bücher

Der Trick, ein neues Produkt mit etwas zu verbinden, das viele bereits kennen, wird von Unternehmerinnen und Unternehmern häufig angewandt. Als unbekannter Autor bist du ebenfalls Unternehmer. Dein Produkt ist das Buch.

Du kannst daher sowohl Rezensentinnen und Rezensenten als auch Leserinnen und Lesern helfen, indem du auf bekannte Bücher und Autorinnen oder Autoren verweist, denen dein Buch ähnelt.

Eine Aussage wie: Eine Aussage wie: „Mein Buch ähnelt Forrest Gump. Plot und Handlung sind unterschiedlich, aber das Genre ist dasselbe“, ist eine schnellere und verständlichere Einführung als eine lange Erklärung darüber, worum es in deinem Buch geht.

„Mein Buch ist ein „Sturz der Titanen“ (Kenn Follett), angesiedelt in der globalen IT-Branche“, wird für viele potenzielle Leserinnen und Leser sofort Sinn ergeben.

Die meisten Bücher ähneln anderen in einem oder mehreren Punkten. Autorinnen und Autoren lesen in der Regel hundertmal mehr, als sie schreiben. Es ist bereichernd, Bücher desselben Genres zu lesen – sei es, um sich inspirieren zu lassen oder auch, um sich bewusst davon abzugrenzen.

Wenn du mit dem Marketing beginnst, kannst du Werbung gezielt an Bücher desselben Genres knüpfen, die sich bereits gut verkaufen. Wie das in der Praxis funktioniert, werde ich später erläutern.

Im Buch-Exposé listest du fünf bis sechs Bücher auf, die deinem eigenen entsprechen.

Es gibt viele Bücher, die Tumult in Mekka ähneln – nicht in Plot und Handlung, wohl aber in Genre und Stil. Leserinnen und Leser von Ken Follett, Jan Guillou, Bernhard Schlink, Jenny Erpenbeck sowie der erzählerischen Geschichtsdarstellung von Tom Buk-Swienty und Volker Ullrich werden die Reihe über meine Hauptfigur Henrik Bertelsen und seine Zeit als relevant und interessant empfinden. Auch Leserinnen und Leser, denen die Romane von Ken Follett gefallen haben, zählen zur naheliegenden Zielgruppe meines Romans. Forrest Gump bewegt sich ebenfalls in einem vergleichbaren erzählerischen Umfeld.

Was ist ein Magnet?

Bei näherer Betrachtung sollten die Überschriften eigentlich die Magnete sein – im Plural.

Der Begriff ist eine Übersetzung des englischen The Hook und bezeichnet eine kurze Darstellung dessen, was die Zielgruppe dazu bringen soll, Interesse an dem Buch zu entwickeln. Du greifst dabei auf Formulierungen aus den Abschnitten Ziel und Zusammenfassung zurück, doch der Magnet wird ausschließlich aus der Perspektive der Leserinnen und Leser oder der Rezensentinnen und Rezensenten formuliert.

Denke an Trailer zu Filmen und TV-Serien. Sie sind Appetithäppchen, die Leserinnen, Leser und Rezensentinnen und Rezensenten anlocken sollen.

In der Praxis gibt es mehrere Magnete. Jeder von ihnen besteht aus drei bis zehn Zeilen Text, die Stimmung, Höhepunkte, Handlung, Figuren, Schauplätze oder andere Aspekte des Buchs hervorheben – jeweils zugeschnitten auf die Zielgruppe, an die sie sich richten.

Du gehst dabei wie folgt vor:

  • Schreibe die Zielgruppen in einer Liste auf und notiere ihre wichtigsten Merkmale. Wenn du jedes potenzielle Medium bzw. jede Rezensentin oder jeden Rezensenten als eigene Zielgruppe betrachtest, wird es besonders präzise.
  • Notiere Stichworte zu dir und zum Buch, die für jede Zielgruppe relevant sind.
  • Formuliere aus den Stichworten einen zusammenhängenden Text, wobei das für die jeweilige Zielgruppe Wichtigste an den Anfang gestellt wird.

Gerade für Medien und Rezensentinnen bzw. Rezensenten können es Aspekte des Buchs sein, die es besonders relevant machen, darüber zu berichten. Wenn du aus Aalborg stammst, könnte das der Hauptaufhänger für die Lokalzeitungen sein. Spielt die Handlung in Aarhus, hast du einen Magneten für diese Region. Hast du Teile des Buchs in einem Café in Hilleröd geschrieben (das habe ich!), könnte man dort vielleicht eine Buchveranstaltung für dich organisieren. Bist du bereits etwas älter, ließe sich womöglich ein Magnet für Seniorenorganisationen finden.

Sobald du die Magnete formuliert hast, verfügst du gleichzeitig über ein ganzes Arsenal an Texten, das du in deinem Marketing einsetzen kannst.

Nächster Artikel: Das Manuskript


Frühere Artikel in dieser Serie:

Artikel 1: Ein Roman wird geboren
Artikel 2: Wie man ein gutes Buch schreibt
Artikel 3: Das Wertangebot des Buches
Artikel 4: Zielgruppe

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