Warum 3,7 Sterne genau richtig sind


Ich habe das Buch nicht geschrieben, um allen zu gefallen

 

Auf den ersten Blick mag eine Bewertung von 3,7 von 5 Sternen wie ein Ergebnis erscheinen, das nur beinahe gelungen ist. Autoren träumen schließlich von Fünf-Sterne-Rezensionen, uneingeschränktem Lob und Lesern, die ein Buch für vollkommen erklären.

So sehe ich das nicht.

Für Tumult in Mekka, die deutsche Ausgabe von Balladen i Mekka, halte ich 3,7 von 5 Sternen für ein ausgesprochen passendes Ergebnis. Die derzeit 19 weltweiten Bewertungen verteilen sich auf 44 Prozent mit fünf Sternen, 20 Prozent mit vier Sternen, 14 Prozent mit drei Sternen, 8 Prozent mit zwei Sternen und 14 Prozent mit einem Stern.

Diese Verteilung zeigt mir, dass das Buch viele seiner Leser erreicht hat, ohne harmlos geworden zu sein.

Nicht, dass ich Fünf-Sterne-Rezensionen nicht zu schätzen wüsste. Natürlich tue ich das. Jeder Autor freut sich, wenn eine Geschichte einen Leser berührt, ihn unterhält und dazu bewegt, sich die Zeit für eine positive Rezension zu nehmen.

Aber Tumult in Mekka wurde nicht geschrieben, um allen zu gefallen. Es ist eine Geschichte, die zugleich humorvoll, unbequem, historisch fundiert, moralisch ambivalent und stellenweise bewusst herausfordernd ist. Solche Bücher sollten polarisieren. Täten sie es nicht, hätte ich mein Ziel verfehlt.

Die Geschichte beginnt mit einem beinahe absurden Zufall. Drei Dänen werden innerhalb kürzester Zeit in einen Auftrag hineingezogen, der sich als äußerst lukratives Beratungsprojekt in Saudi-Arabien erweist. Dabei geht es um die Renovierung und den Betrieb von Krankenhausküchen in Taif, unweit von Mekka.

Einer der drei Dänen verfügt über beträchtliche fachliche Erfahrung auf diesem Gebiet. Die beiden anderen, darunter die Hauptfigur Henrik Bertelsen, tun es nicht. Sie sind aufgeweckt, lernfähig und tatkräftig, aber keine Experten.

Die Lage wird noch prekärer, weil der eigentliche Fachmann ein Alkoholproblem hat. In einem entscheidenden Moment ist er nicht mehr in der Lage, die Aufgabe zu erfüllen, derentwegen er mitgereist ist. Henrik und sein Bruder Jakob müssen deshalb einspringen. Sie improvisieren, beobachten, analysieren, schreiben, verhandeln und treten mit mehr Selbstvertrauen auf, als ihre tatsächliche Erfahrung rechtfertigt.

Die moralische Grauzone


Bereits hier wirft die Geschichte eine Reihe von Fragen auf.

Hätten die drei Dänen den Auftrag ablehnen sollen? Hätten sie offener eingestehen müssen, dass sie sich auf unbekanntem Terrain bewegten? Oder funktioniert internationales Geschäft häufig genau so: unvollkommene Menschen, unvollständige Informationen, unrealistische Fristen und eine gewisse Portion Schauspiel?

Das Buch liefert darauf keine eindeutige moralische Antwort, weil auch die Wirklichkeit dies nur selten tut.

Manche Leser werden Henrik und Jakob vielleicht als Opportunisten wahrnehmen. Andere sehen in ihnen pragmatische, mutige und unternehmerisch denkende Menschen. Einige amüsieren sich über ihre Fähigkeit, während des Projekts dazuzulernen. Andere empfinden Unbehagen darüber, dass sie sich durch Situationen bluffen, in denen vielleicht mehr Demut angebracht gewesen wäre.

All diese Reaktionen sind berechtigt.

Das ist einer der Gründe, weshalb mich eine makellose Durchschnittsbewertung beinahe beunruhigen würde. Wenn alle Leser das Buch als unproblematisch und angenehm empfänden, wären die Dilemmata nicht scharf genug gezeichnet.

Als Autor gerät man leicht in Versuchung, die Figuren eindeutiger darzustellen, als Menschen es in der Wirklichkeit sind. Man kann sie zu Helden oder Schurken machen, sodass der Leser keinen Zweifel daran hat, wer Recht und wer Unrecht hat. Daraus kann eine angenehmere Geschichte mit klaren moralischen Orientierungspunkten entstehen.

Doch so ist das Leben nur selten. Menschen sind oft zugleich mutig und selbstbezogen, loyal und opportunistisch, sympathisch und irritierend. Sie treffen Entscheidungen unter Druck, mit begrenztem Wissen und aus Beweggründen, die sie möglicherweise selbst nicht vollständig verstehen. Soll ein Roman wahrhaftig wirken, muss er Raum für diese Widersprüche lassen.

Das mag unterwegs einige Leser kosten. Dafür entsteht eine ehrlichere Geschichte.

Kultur, Religion und das Urteil des Lesers


Tumult in Mekka handelt auch von kulturellen Unterschieden, und das ist niemals ein neutrales Thema. Die Geschichte wird aus der Perspektive eines jungen Dänen im Jahr 1979 erzählt. Henrik reist mit skandinavischen Vorstellungen von Demokratie, Religion, Geschlechterrollen, Bürokratie, Offenheit, Gleichheit und persönlicher Freiheit nach Saudi-Arabien.

Er beobachtet, was er sieht. Manchmal ist er neugierig. Manchmal amüsiert er sich. Mitunter ist er verwirrt. Oft ist er kritisch.

Ist die Darstellung der verschiedenen Kulturen fair und ausgewogen? Sind die Überlegungen zur Religion angemessen? Zeigt das Buch genügend Verständnis für Saudi-Arabien, wie das Land damals war? Oder offenbart es zugleich die Grenzen und Vorurteile des dänischen Beobachters?

Darauf kann ich als Autor nicht stellvertretend für den Leser antworten. Das sollte ich auch nicht.

Ein Roman ist kein Gerichtsurteil. Er ist kein ausgewogenes politisches Gutachten. Er ist eine Einladung, in eine Situation einzutreten und sie durch ein bestimmtes Bewusstsein zu erleben. Henrik ist keine neutrale Kamera. Er bringt seine eigene Herkunft, seine Werte, seine blinden Flecken, seinen Humor, seine Ungeduld und sein Unbehagen mit.

Der Leser muss selbst entscheiden, ob er ihm vertraut, ihm widerspricht, mit ihm lacht oder sich bisweilen von ihm distanziert.

Das gehört zum Leseerlebnis.

Warum sich 3,7 Sterne richtig anfühlen

Die vielleicht umstrittenste Entscheidung des Romans besteht darin, die religiöse Besetzung der Großen Moschee in Mekka im November 1979 zum dramatischen Mittelpunkt der Geschichte zu machen.

Das Ereignis hat tatsächlich stattgefunden. Es war gewaltsam und von großer historischer Bedeutung. Es erschütterte Saudi-Arabien und beeinflusste religiöse und politische Entwicklungen weit über die Grenzen des Königreichs hinaus. Drei gewöhnliche Dänen in die Nähe dieses Geschehens zu versetzen, wirft zwangsläufig Fragen auf.


Warum sollte eine so ernste historische Episode in einem Roman verwendet werden, der zugleich Humor, geschäftliche Improvisation, Familienleben und gesellschaftliche Beobachtungen enthält? Warum sollten ein dänisches Wohnprojekt, eine Ausschreibung für saudische Krankenhausküchen, Alkoholmissbrauch, religiöser Konservatismus, Ölgeld, Adoption, Ehrgeiz und bewaffneter Extremismus in ein und derselben Geschichte zusammentreffen?

Weil das Leben sich nicht in sauberen Kategorien organisiert.

Komik und Gefahr existieren häufig nebeneinander. Menschen treffen berufliche Entscheidungen, während sich um sie herum Geschichte ereignet. Moralische Dilemma kündigen sich selten mit Warnschildern an. Und gewöhnliche Menschen können sich plötzlich sehr viel näher an bedeutenden Ereignissen wiederfinden, als sie es sich jemals vorgestellt hätten.

Manche Leser werden das faszinierend finden. Andere empfinden es vielleicht als verstörend. Einige mögen die Mischung aus erinnerungsgeprägter Erzählung, geopolitischer Spannung, Kulturbeobachtung und zurückhaltendem Humor. Andere hätten lieber einen geradlinigeren Thriller, einen heldenhafteren Protagonisten oder eine eindeutigere moralische Botschaft.

Das ist vollkommen legitim.

Eine Drei-Sterne-Bewertung kann von einem Leser stammen, der etwas anderes erwartet hatte. Eine Zwei-Sterne-Bewertung kann von jemandem kommen, den die Hauptfigur, der Ton, der Blick auf die Kultur oder die moralischen Grauzonen irritiert haben. Selbst eine Ein-Sterne-Bewertung kann Ausdruck einer ehrlichen Reaktion sein.

Nicht jedes Buch ist für jeden Leser geschrieben.

Warum die englische Ausgabe besser abschneidet

Customer reviews: 4 of 5 stars from 30 ratings; 5★ 50%, 4★ 24%, 3★ 15%, 2★ 7%, 1★ 4%.Warum die englische Ausgabe etwas besser bewertet wird, lässt sich nicht eindeutig sagen. Die größere Zahl an Bewertungen kann den Durchschnitt stabilisieren, während bei der deutschen Ausgabe einzelne Ein- oder Zwei-Sterne-Bewertungen stärker ins Gewicht fallen. Möglich ist auch, dass englischsprachige Leser mit geopolitischen Spannungen, kulturellen Konflikten und moralisch ambivalenten Figuren vertrauter sind oder das Genre anders einordnen. Ebenso können Erwartungen, Übersetzung, Cover, Klappentext und die Art, wie das Buch vermarktet wurde, eine Rolle spielen. Wahrscheinlich ist es kein einzelner Grund, sondern eine Mischung aus Stichprobengröße, Lesererwartungen und unterschiedlichen kulturellen Lesegewohnheiten.

 

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